Architektur im Wandel
Zurück zur klassisch-traditionellen Kunst der Architektur
Bis ins 19. Jahrhundert hinein entstanden prunkvolle Bauten von zeitloser Schönheit. Bild- und Videoaufnahmen aus längst vergangenen Tagen zeugen weltweit von einer, uns heute märchenhaft erscheinenden Art und Weise der Gestaltung von Gebäuden. Gekennzeichnet u.a. durch künstlerisch und detailreich verzierte Fassaden, durchdachte und gleichzeitig nützliche Schmuckelemente, symmetrische Formen, gibt es in Deutschland heute nur noch wenige Zeugen dieser Zeitepoche zu bestaunen.
Ungefähr bis 1930 wurde in Schulen und Universitäten, an denen die Architektur gelehrt wurde, die klassische und traditionelle Kunst des Designs vermittelt. Damalige Studierende sollten zu guten Zeichnern und Künstlern heran reifen. Dies umfasste Wissen im Handzeichnen (Skizzieren) und Aquarellieren, Proportionieren, Layouten, in Symmetrie und Ordnung oder in Bezug auf detaillierten Materialeigenschaften in der Handwerkskunst.
Bereits nach dem 1. Weltkrieg kamen neue Ideen über Kunst und Architektur auf. BAUHAUS schwenkte die Architektur in eine völlig neue Richtung. Nach dieser werden Ornamente aufwendige Fassaden und sogar Schrägdächer als überflüssig und unnötig eingestuft. Die Mitbegründer von Bauhaus – Laszlo Moholy-Nagy, Walter Gropius und Mies van der Rohe immigrierten kurz vor Ausbruch des 2. Weltkriegs in die USA und wurden dort mit offenen Armen empfangen. Umgehend erhielten sie Anstellungen in den höchsten Positionen an damalig renommierten Universitäten. Hier hatten sie freie Hand und konnten ihre Ideen und Vorstellungen zukünftiger Architektur verbreiten. Damit einhergehend wurde all das alte Wissen zu traditioneller Bauweise aus dem Lehrplan verbannt.
Ornamente, klassische Proportionen, Bögen, Arkaden, Dekore oder Fassadengestaltung werden aktuell weder als funktional noch notwendig erachtet. Also werden diese Aspekte auch nicht unterrichtet. All diese Elemente gelten als verpönt und gehören der Vergangenheit an. Traditionelle Lehrinhalte wurden rigoros gestrichen und durch „moderne Ansichten“ ersetzt. Diese Umorientierung fand 1970 ihre Finalisierung und von diesem Zeitpunkt an, wurde Architektur modernistisch, die prunkvolle Kunst, Gebäude und Städte zu bauen fand (zunächst) ein jähes Ende. Die Geburt des sogenannten Bauhaus-Stils hatte ihre glorreiche Stunde.
Architekturschulen wurden kaputt transformiert
Anstelle den angehenden (Jung)Architekten Wege aufzuzeigen, schöne Gebäude und Städte mit echtem Wohlfühl-Charackter zu bauen, wurde der Fokus auf bauliche Experimente gelegt.
Das nun vermittelte Wissen konzentrierte sich auf einfache Formen und Pragmatismus. Stahl, Glas und Beton dominier(t)en die vermeintliche neue moderne Architektur. Neue Gebäude sollen sich möglichst dem aktuellen Zeitgeist unterwerfen, aus modernen Materialien gebaut werden und äußerlich einen minimalistisch-modernen Stil widerspiegeln. Auf diese Weise sollen architektonische Meisterwerke des 21. Jahrhundert verwirklicht werden. Doch wem gefallen diese Gebäude tatsächlich? Und, bieten diese einen tatsächlichen Mehrwert?
Jene Studierenden, welche sich mit Herz und Seele der klassisch-traditionellen Lehrweise verbunden fühlten, wurden jäh enttäuscht, ja sie wurden sogar zu Aussätzigen, sind auf sich allein gestellt, isoliert und werden missverstanden. Manche von ihnen verlieren sogar irgendwann das Interesse architektonisch zu gestalten und brechen ihr Architekturstudium ab, da sie mit der modernen Lehrweise, welche überwiegend leblose, kalte Gebäude zum Vorschein bringt, überhaupt nichts anfangen können. Ähnlich ergeht es auch jenen Professoren und Lehrenden, welche die klassisch-traditionelle Kunst der Architektur vermitteln woll(t)en.
Wie der Wind sich dreht und eine Renaissance erkennbar ist
Wenn man genau hinhört, hinschaut und offen ist, dann kann man die zarten Stilblüten der Veränderung bereits erkennen. Eine echte Renaissance ist im Gange. Menschen haben sich satt gesehen an den quadratisch-praktisch-gut Gebäuden. Sie wünschen sich wieder ein Mehr an Lebensqualität in ihrem Wohnumfeld. (Mal ehrlich, welche Gebäude sprechen dich eher an? Wo fühlst du dich genährt, angebunden?)
Auch mehr und mehr Studenten begehren auf, sie sind es leid, sich mit langweiliger Gebäude- und Städteplanung zu befassen und den Großteil ihres Studiums mit dem Entwerfen von immer verrückteren Formen zu verbringen. Sie wollen eine echte Veränderung, eine Rückbesinnung auf alte, klassische Werte.
Einige Studenten hinterfragen sehr wohl die Art und Weise der Wissensvermittlung. Sie stellen die Frage in den Raum, warum überwiegend mit Beton gebaut wird und warum andere Materialien kaum in Betracht gezogen werden, da dies einer der wichtigsten Faktoren darstellt. Die vielen architektonischen Entwurfsfähigkeiten, die Studenten früher beherrschen mussten, sind durch parametrisches Design und das Erfinden von Konzepten anstelle von Gebäuden ersetzt worden.
Eine (noch) kleine Anzahl von Universitäten hat die Zeichen der Zeit bereits erkannt. Glas, Stahl und Beton sind nicht die einzigen Baumaterialen und das vermittelte Wissen kann durch klassische und traditionelle Lehrinhalte um ein Vielfaches aufgewertet werden.
Ein Beispiel hierfür ist die Notre Dame School of Arcitecture (im Folgenden NDSA genannt). Diese Schule ist wahrlich speziell, denn sie unterrichtet wieder das, was einst Standardlehrstoff war und die architektonischen Fähigkeiten vermittelte, mit denen die Orte, die wir lieben, geschaffen wurden.
Entwurfs- und Rendering-Fähigkeiten, das Verständnis für Materialien, die Beziehung zum Handwerk und viele andere gestalterische Fähigkeiten werden den Studierenden hier wieder nahe gebracht. An den üblichen modernistischen Architekturschulen findet man diesen Lehrstoff nicht (mehr).
Der Mut hin zu bewährtem architektonischem Wissen wird durchaus belohnt. Unternehmer engagieren Studenten der NDSA überaus gern, denn traditionelles Design ist wieder gefragt! Die Berufschancen für Stundenten mit traditioneller/klassischer Ausbildung sind übrigens sehr gut, sicherlich unterschiedlich je nach Region. Doch ein Aufwärtstrend ist deutlich erkennbar.
Stefanos Polyzoides, Dekan der NDSA gab in einem Interview (siehe o.g. Link) zu verstehen, dass diese Schule ursprünglich vor mehr als 120 Jahren ausschließlich klassische Architektur unterrichtete. Dies war zur damaligen Zeit in der gesamten USA der Regelfall. Doch auch hier hielten die Trends der Moderne irgendwann Einzug und drängten die zuvor gültigen Werte in den Hintergrund. Diesem Trend wollte die NDSA entgegen treten, da viele Studierende aufbegehrten und forderten, klassisch-traditionelle Lehrinhalte wieder in den Lehrplan mit aufzunehmen.
In den 1990er Jahren wurde daher Thomas Gordon Smith in den Kreis der Professoren aufgenommen. Ihm oblag es einen neuen Ansatz zu finden und den Studenten das ursprüngliche Wissen wieder zu vermitteln.
All dies setzte beinah unbändige Kreativität in den Studierenden frei, welche ihre eigenen Ideen sowohl zu Papier als auch in die Form von Modellen bringen konnten und können. So entstehen u.a. wundervolle Zeichnungen und Visionen, welche durchaus die Chance haben Realität zu werden.
An der Katholischen Universität von Amerika gibt es ein weiteres akkreditiertes traditionelles Lehr-Programm. Diese Universität fokussiert sich u.a. auf den Bau von Modellen. Es gibt bereits einige weitere Fakultäten, in denen traditionelles und klassisches Design wieder vermittelt wird.
In Europa sieht es (noch) wenig attraktiv aus, was das Vermitteln alten Wissens anbelangt. Doch zarte Blüten der Veränderung gibt es auch hier. Die Kingston University in London sowie die NTNU Trondheim in Norwegen vermitteln auch hier wieder klassische und traditionelle Architektur, nachdem an beiden Universitäten Studierende das begrenzte Lehrprogramm anmahnten.
Neben dieser wundervollen Entwicklung gibt es auch eine wachsende Zahl sogenannter Sommer Schulen (u.a. in Großbritannien, Belgien, Frankreich, Niederlande, Mexico, Spanien und einige mehr), an denen entsprechende Projekte umgesetzt werden, in denen klassisches Design im Vordergrund steht.
Es scheint sich tatsächlich eine Veränderung in den Architekturschulen weltweit zu vollziehen, wieder mehr hin zu klassischem und traditionellem Design. Eine wunderbare Entwicklung, wie ich finde. Es lohnt sich, selbst ein wenig in den Weiten des Internets zu stöbern, denn immer mehr Menschen sehnen sich zurück zu lebendigen und schönen Gebäuden und Stadtvierteln.
Nicole Lievert
Kreativer Zwilling, Manifestor (Human Design), Visionärin, Schriftstellerin, Prana Heilerin
Initiativen & mehr
Brandevoort
Eine neue Stadt in den Niederlanden mit traditioneller Architektur

